12. Januar 1999
Perzeptive und kognitive Prozesse
I. Einleitung
1. Was ist Bewußtsein?
"Bewußtsein ist ein subjektiver, in unterschiedlicher Intensität erlebbarer psychischer Zustand." (Europäische Enzyklopädie zu Philosophie und Wissenschaften)
2. Die Renaissance eines Begriffs
Im 20. Jahrhundert: nach jahrtausendelanger Beschäftigung mit diesem Phänomen plötzlich radikale Ablehnung des Begriffs
Gilbert Ryle 1949: "The Concept of the Mind" – sowohl klassische Philosophie als auch Alltagssprache gehen von großem Irrtum aus: dem Dualismus von äußeren körperlichen und inneren mentalen Phänomenen (vgl. Descartes)
II. Bewußtsein – eine kurze Begriffsgeschichte
1. Antike
Keine Trennung von Innen- und Außenwelt (Panpsychismus, Hylozoismus)
Sensus internus, conscientia --> consciousness, conscience, awareness
2. Descartes
Descartes‘ Seelenbegriff: Seele nicht mehr Träger aller Lebensvorgänge, sondern nur Träger des Bewußtseins
3. Wolff
Christian Wolff 1719: "Vernünftige Gedanken von Gott, der Welt und der Seele des Menschen, auch allen Dingen überhaupt" à Einführung des Begriffs «Bewußtsein» in die deutsche Sprache
III. Bewußtsein in der klassischen Psychologie
1. Herbart
Bewußtseinsbildung: indem Gedanken sich gegenseitig anziehen, hemmen oder abstoßen
2. Wundt
Apperzeption = Prozeß, in dem ein psychischer Inhalt sich seiner selbst klar bewußt wird
IV. Der zeitgenössische Gebrauch des Bewußtseinsbegriffs
1. Das Bewußtsein – Ein Faktum oder eine Fiktion?
Konstrukt «Bewußtsein» muß seinen Nutzen für die Forschung rechtfertigen
2. Ist das Phänomen des Bewußtseins naturalisierbar?
Wittgenstein: Leib-Seele-Problem = Scheinproblem
3. Das Gehirn-Bewußtsein-Problem
3.1. Die Identitätstheorie
Die Begriffe "Gehirn" und "Bewußtsein" sind nicht identisch, beziehen sich aber auf ein und dasselbe
Dabei: radikale Identitätstheoretiker haben große Probleme einer Rechtfertigung (jedem psychischen Zustand ist genau ein physischer zugeordnet)
3.2. Der Funktionalismus
Geht aus Identitätstheorie hervor, betrachtet aber nicht nur physikalische, sondern auch (und vorrangig) funktionale Eigenschaften des Gehirns
Konnektionismus und Künstliche Intelligenz
3.3. Interaktionstheorien
Sperry: Bewußtsein und Geist werden "mitten in das kausale Wechselspiel der Gehirnmechanismen verlegt: Sie geben die Befehle und stoßen und zerren die physiologischen, physikalischen und chemischen Prozesse genauso herum, wie diese sie dirigieren, wenn nicht noch mehr"
Eccles & Popper
Literatur
:
Europäische Enzyklopädie zu Philosophie und Wissenschaften, Hamburg 1990
Graumann, Carl-Friedrich: Bewußtsein und Bewußtheit (In: Handbuch der Psychologie, 1. Band, 1. Halbband, Göttingen 1966, S. 79 ff.)
Krämer, Sybille (Hg.): Bewußtsein, Frankf. a. M. 1996
Oeser, Erhard & Seitelberger, Franz: Gehirn, Bewußtsein und Erkenntnis, Darmstadt 1995
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